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Hofgeschichte



Alles begann mit dem Wunsch die Stadt zu verlassen, ein ruhigeres Leben zu führen und ein eigenes Fleckchen Land zu besitzen, um Gemüse anzubauen. Nach mehreren Jahren des Suchens kam, kurz vor der Resignation, der Anruf eines befreundeten Immobilienmaklers mit den Worten: „Wir haben jetzt deinen Hof gefunden.“ Das war im Juli 2013 und noch am selben Tag besichtigte ich den alten Hof, lernte die Bewohnerin kennen und entschied, dass dieser mein neues Zuhause sein sollte.

 

Es folgten mehrere Wochen Annäherung an den Hof, an die liebe alte Bäuerin und an die Gegebenheiten rund herum. Es war mir wichtig, dass die langjährige Bewohnerin weiß, in welche Hände ihr Zuhause kommen würde und es war mir auch wichtig, mehr über die Geschichte und die Menschen des Hofs zu erfahren. Einmal übernachtete ich sogar schon am Hof um mit der Noch-Bewohnerin gemeinsam Brot zu backen. Die Nacht war kurz, gegen 4.30 Uhr rief sie "Irmgat, kneitn! Irmgat, kneitn!". Ich tappte völlig verschlafen und verwirrt in die Küche, da stand die tüchtige Alt-Bäuerin vor einem riesigen Holztrog mit Brotteig und wies mich an, ich solle den Teig kneten.


Maria lebte genau 50 Jahre am Hof und bei ihrem Auszug im Oktober des Jahres 2013 wirkte sie energiegeladen und motiviert. Ich glaube sie hat nie mit ihrem Schicksal gehadert. Sie war eine praktische Frau und nahm das Leben wie es kam. Sie übersiedelte zu ihrer Ziehtochter nach Niederösterreich und verstarb einige Jahre später, friedlich im Oktober 2017 – genauer gesagt, am Morgen meines 40. Geburtstags.



Meine ersten Wochen am Hof waren von Euphorie und zahlreichen Besuchern geprägt. Mein Freundes- und Bekanntenkreis war damals weitläufig und alle wollten „Hinterholz 8“ persönlich sehen. Ich genoss das Teilen dieser aufregenden neuen Lebenssituation. Im Winter erreichte mich, über Kontakte aus der Yoga-Szene, ein E-mail von einem Amerikaner. Ob er kommen und helfen sollte, er hatte gehört, ich hätte einen alten Hof gekauft und sicher viel Arbeit. Gegen Kost und Logis verbrachte der Amerikaner zwei Monate am Hof. Wir begannen mit dem Entrümpeln und "Neuordnen" des Hofs. Nachdem die letzten Ziegel von kleineren Abbrucharbeiten weggeräumt waren und meine ersten Erdäpfel tüchtig in die Höhe wuchsen, kam eine neue Mitbewohnerin. Wir verbrachten einen tollen Sommer, erkundeten die Gegend und freuten uns über das Leben auf dem alten Hof.

Ein Jahr nach dem Einzug machte der regenreiche Sommer das kaputte Dach zu einem echten Problem. In der so genannten „Saukuchl“ wo ein kleiner alter Sanitärbereich untergebracht war, fiel bereits der Putz von der Decke. Es war eben doch ein sehr alter Hof, den ich gekauft hatte. Es ging alles ganz schnell und ehe ich mich versah, stand ich mitten in einer Baustelle, die größer war, als ich es mir gedacht hätte. Im nächsten Sommer hatte ich neue Räume, ein schickes Badezimmer und eine Heizungsanlage.

Freunde kamen zu Besuch, man erfreute sich an der Schönheit und studierte gemeinsam, wie der Hof zu bewirtschaften wäre. Der Traum von einer biologischen Kleinlandwirtschaft sieht wunderschön aus, ist aber nicht so einfach umzusetzen, vor allem wenn man keine Erfahrung und keine Maschinen hat und die Wartung und Reparatur von alten Maschinen auch nicht selbst durchführen kann.

 

Zu Beginn des Jahres 2017 entschied ich mich noch einmal in den Hof zu investieren. Eine alte Scheune wurde folglich komplett renoviert und ein altes Stadl verwandelte sich in ein Ferienhäuschen. Einen kleinen Teil der Ackerfläche haben wir eingezäunt und so einen neuen, vor Wildverbiss geschützten, Gemüsegarten angelegt. Wieder durfte ich gute, glückliche Fügungen und liebe Menschen erleben, die zur rechten Zeit am rechten Ort waren. Das macht mich dankbar und froh.

 

Der Hof ist für mich ein tolles Projekt, das mir die Möglichkeit gibt meine (yogischen) Prinzipien größtmöglich zu üben, zu leben und mich weiterzuentwickeln.


Irmi Ranftl im Februar 2018.


Bilder vom Hof 2013/2014